Bersenbrück, 30. April 2026
Am Mittwoch, den 29. April 2026, wurde in der Kreissparkasse Bersenbrück die Ausstellung „Justitia ohne Mutterschutz“ des Mutterschutz für Alle! e.V. sowie die begleitende Fotoausstellung „Zwischen Auftrag und Elternschaft“ des Female Photoclub eröffnet. Sie macht eine strukturelle Lücke sichtbar, die für viele selbstständige Frauen existenziell ist: fehlende Absicherung rund um Schwangerschaft und Geburt.
Die Ausstellung ist bis zum 14. Mai während der Öffnungszeiten zugänglich.
Ort: KSK Bersenbrück, Lindenstraße 4, 49593 Bersenbrück.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Unternehmerschaft ordneten das Thema in kurzen Impulsen ein.

Skulptur „Justitia ohne Mutterschutz“
Die Skulptur zeigt eine schwangere Justitia mit mehreren Armen und steht für die gleichzeitigen Anforderungen von Erwerbsarbeit, Fürsorge und unternehmerischer Verantwortung, mit denen selbstständige Frauen konfrontiert sind. Sie macht deutlich, dass diese Mehrfachbelastung für viele kein Ausnahmefall ist – und verweist auf die strukturelle Absicherungslücke rund um Schwangerschaft und Geburt. In den sozialen Medien hat die Figur eine große Resonanz ausgelöst.
Die Modedesignerin Stefanie Gornicki, selbstständig tätig und Mutter, entwickelte die Skulptur auf Grundlage eigener Erfahrungen und setzte sie gemeinsam mit dem Verein Mutterschutz für Alle! e.V. um. Stefanie Gornicki erklärt: „Diese Justitia ist nicht zu schwach – sie trägt zu viel. Und sie trägt es allein. Genau das macht sichtbar, wie groß die Lücke im Mutterschutz für Selbstständige ist.“
Fotoausstellung „Zwischen Auftrag und Elternschaft“
Die Fotoausstellung zeigt persönliche Perspektiven freiberuflich tätiger Fotografinnen auf die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Elternschaft. Im Mittelpunkt stehen konkrete Lebens- und Arbeitsrealitäten von Unternehmerinnen und die Auswirkungen fehlender Absicherung. Hinweis: In der KSK Bersenbrück wird ein Teil der Ausstellung gezeigt. Die vollständige Ausstellung finden Sie hier.
Der Female Photoclub ist ein Netzwerk zur Sichtbarmachung von Fotografinnen. Er setzt Impulse im öffentlichen Diskurs und bringt Perspektiven von FLINTA*-Personen in die Fotografie ein. Juliane Herrmann, Vorständin Female Photoclub e.V., sagt: „Die Arbeiten dieser Ausstellung zeigen exemplarische Erfahrungen und verweisen zugleich auf ein strukturelles Problem: Elternschaft ist für Selbstständige nach wie vor unzureichend abgesichert. Es braucht verbindliche und gerechte Regelungen für Mutterschutz und Elterngeld, die die Lebensrealität freiberuflich arbeitender Eltern anerkennen und absichern.“
Aus unternehmerischer Sicht wird die Problematik konkret. Marlene Langenberg, selbstständige Tierärztin und Klauenpflegerin aus Bissendorf, berichtet aus der Praxis: „ Ich behandle täglich Kühe mit 500 bis 1300 Kilo – schwanger, bei Wind und Wetter. Wenn ich nicht arbeite, habe ich kein Einkommen und die Kühe werden nicht versorgt. Dieser Konflikt zwischen Gesundheit und Existenz ist die Realität vieler selbstständiger Frauen.„
Anna Brockhoff, Geschäftsführung Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, ordnet ein: „Als Handwerkskammer vertreten wir Betriebe, in denen die Unternehmerin oft selbst das Herz des Unternehmens ist – fällt sie aus, steht der Betrieb still. Die gesetzliche Umsetzung des Mutterschutzes für selbstständige Handwerkerinnen ist ein wichtiger Bestandteil für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Handwerks.„
Maren von der Heide, Vorständin KSK Bersenbrück, betont: „ Unsere Wirtschaft kann es sich nicht leisten, auf Frauen zu verzichten, die die Fähigkeiten und die Lust mitbringen, Verantwortung zu übernehmen. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen – auch mit Blick auf finanzielle Selbstbestimmung, Stichwort Female Finance. Als Kreissparkasse Bersenbrück ist es für uns selbstverständlich, solchen Themen Raum zu geben und zu unterstützen.„
Auch aus politischer Perspektive wird Handlungsbedarf gesehen: Lutz Brinkmann, Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU, erklärt: „Ein gerechter Mutterschutz für Selbstständige ist längst überfällig. Es geht dabei nicht um ein Nischenthema, sondern um Gerechtigkeit, Gesundheit und den Respekt vor der Lebensleistung vieler Frauen in unserem Land.“
Johanna Röh, Tischlermeisterin aus Alfhausen und 1. Vorsitzende von Mutterschutz für Alle! e.V., macht deutlich: „Ich habe meinen Betrieb hier in der Region aufgebaut und selbst erlebt, wie schnell eine Schwangerschaft zur existenziellen Frage wird, wenn die Absicherung fehlt. Mutterschutz ist kein Nice-to-have und keine Kostenfrage, sondern wirtschaftliche Infrastruktur. Dass dieses Thema hier vor Ort sichtbar wird, ist ein wichtiges Zeichen – gerade für die vielen Frauen, die Verantwortung für Betriebe tragen.“
Bildmaterial zur freien redaktionellen Verwendung finden Sie hier:
Juliane Herrmann: https://www.picdrop.com/femalephotoclub/hQw8spCCWz
Jürgen Friedrich: https://my.hidrive.com/share/sn9xxgfc9f
Motiv im Anhang: Die Skulptur „Justitia ohne Mutterschutz“ symbolisiert die Mehrfachbelastung selbstständiger Frauen.
Pressekontakt:
Johanna Röh
Vorständin des gemeinnützigen Mutterschutz für Alle! e.V. und Sprecherin des Bündnisses für den Mutterschutz für Selbstständige
+49 157 3621 8718
johanna.roeh@mutterschutzfueralle.de
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